Diese nach einheitlichen Kriterien erhobenen Kennzahlen lassen eine Einordnung der Marktverteilung und eine differenzierte Einschätzung der Marktteilnehmer zu. Sie erlauben der FINMA eine fundierte Einschätzung der Risikosituation der Asset-Management-Tätigkeiten aller beaufsichtigten Finanzintermediäre, weil sie Vergleiche zwischen Zulassungstypen, Instituten und Geschäftsmodellen ermöglichen und damit eine risikoorientierte Aufsicht unterstützen. Die FINMA kann damit ihre Aufsicht über die Asset-Management-Tätigkeiten konsistent, proportional und unabhängig vom jeweiligen Zulassungstyp ausüben und die damit verbundenen Risiken dort adressieren, wo sie wesentlich sind.
Direkte Datenerhebung der Eigenmittel verbessert Beurteilung der Risikoverteilung bei Banken
Seit der Umsetzung von «Basel III final» per 1. Januar 2025 führt die FINMA die Eigenmittelerhebungen bei den Banken direkt durch. Vorher erfolgte die Datenerhebung über die SNB, die die Daten an die FINMA weiterleitete. Neu wird dieser Prozess von der FINMA über die Erhebungs- und Gesuchsplattform (EHP) durchgeführt. 2026 übernimmt die FINMA zudem auch die Erhebungsdurchführung zur Risikoverteilung der Banken.
«Basel III final» bildet den Abschluss der internationalen Reformen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision [BCBS]) nach der Finanzkrise von 2008. Die neuen Vorgaben bringen eine umfassende Überarbeitung der Kapital- und Risikoregeln, stärkere Eigenmittelanforderungen, einheitlichere Bewertungsansätze sowie erhöhte Transparenz und Vergleichbarkeit. Die Schweiz führte diese Standards in nationales Recht über. Der erste Meldestichtag unter dem neuen Rahmen war der 31. März 2025.
Die FINMA legt grossen Wert auf eine hohe Qualität der eingereichten Daten. Alle Meldungen durchlaufen automatisierte Validierungen und Konsistenzprüfungen, ergänzt durch expertenbasierte Kontrollen. Auffälligkeiten werden systematisch überprüft und weiterverfolgt, um eine verlässliche Datengrundlage für die Aufsicht sicherzustellen.
Data Innovation Lab: Innovation für eine datenbasierte und effiziente Aufsicht
Das Data Innovation Lab ist das Innovationsgefäss der FINMA im Bereich datenbasierter Aufsicht. Es identifiziert und erprobt neue technologische Ansätze und führt sie in konkrete Aufsichtsanwendungen über. Im Mittelpunkt steht die Förderung einer datenbasierten, effizienten und vorausschauenden Aufsichtspraxis. Damit stärkt die FINMA ihre Fähigkeit, Risiken bei Beaufsichtigten früh zu erkennen und Marktverhalten besser zu verstehen.
2025 fasste die FINMA ihre Analysekompetenzen organisatorisch zusammen, um Synergien besser zu nutzen und datenbasierte interne Dienstleistungen effizienter bereitzustellen. Die Hauptverantwortung für das Data Innovation Lab gelangte in den neu geschaffenen Geschäftsbereich Integrierte Risikoexpertise. Es nimmt eine Querschnittsfunktion ein, arbeitet eng mit allen Fachbereichen der FINMA zusammen, nimmt Ideen aus der gesamten Organisation auf, priorisiert sie nach Nutzen und Wirkung und entwickelt sie in einem strukturierten Prozess weiter. So entsteht ein ausgewogenes Portfolio an aufsichtsrelevanten Initiativen.
Der Schwerpunkt lag 2025 auf der Stärkung der Governance und der engeren Vernetzung von Analytics-Kompetenzen innerhalb der FINMA. Das Data Innovation Lab arbeitete an einer breiten Palette datenbasierter Aufsichtsthemen. Dazu gehörten Vorhaben zur Automatisierung von Analysen, zur Nutzung von Text- und Netzwerkanalysen, zur punktuellen Erweiterung bestehender KI-Lösungen sowie zur Entwicklung von Werkzeugen für die Krypto- und die Liquiditätsaufsicht. Diese Initiativen zeigen, wie datenbasierte Innovation die Aufsichtspraxis gezielt unterstützt und weiterentwickeln kann.
Ergänzend unterstützt der neu geschaffene Analytics Circle als FINMA-weite Plattform den Austausch und die Koordination von Analytics-Initiativen und fördert den internen Wissenstransfer. Unter anderem werden KI-gestützte Verfahren zur automatisierten Textanalyse eingesetzt, wo es die Datenklassifikation zulässt. Sie können grosse Mengen an Dokumenten systematisch auswerten und ermöglichen die rasche Identifizierung relevanter Inhalte. Auch Medienberichte, Kundenbewertungen oder Social-Media-Beiträge dienen in den Analysen vermehrt als Datenquellen, um ein noch umfassenderes Bild der beaufsichtigten Institute zu erhalten.
Automatisierung der Prozessierung und Analyse von Kontoauszugsdaten
Die FINMA automatisierte im Berichtsjahr die Standardisierung, Bereinigung und Visualisierung von Kontoauszugsdaten im Bereich der Abklärungen unerlaubter Tätigkeiten. Damit erhöhte sie die Effizienz und Qualität bei der Ad-hoc-Analyse dieser Daten wesentlich. Basis der Automatisierungsschritte bilden die editierten Kontounterlagen, die neu bei Banken in strukturierter Form und im Format gemäss Empfehlung der Schweizerischen Staatsanwaltschaftskonferenz (SSK) betreffend elektronische Edition von Bankunterlagen einverlangt werden. Die Daten werden nach Eingang bei der FINMA bereinigt, inklusive Name Matching zwecks personenbasierter Transaktionsanalysen. In einem zweiten Schritt werden die bereinigten Daten in einer interaktiven Visualisierung mit ausgewählten Grafiken für die Abklärungsarbeiten bereitgestellt. Die Fachpersonen können sich damit verstärkt auf inhaltliche Abklärungsfragen konzentrieren und noch effizienter arbeiten. Die Standardisierungs-, Bereinigungs- und Visualisierungsschritte sollen künftig auch in anderen Bereichen der FINMA Anwendung finden.
Einsatz von Technologie in der Marktaufsicht
Im Berichtsjahr verbesserte die FINMA ihre Werkzeuge zur Erkennung, Visualisierung und Auswertung von unzulässigem Marktverhalten entscheidend. Um die vielen Verdachtsmeldungen und die Daten von mehr als 120 Millionen Transaktionsmeldungen effektiv auszuwerten, setzt sie auf intelligente Prozesse und moderne Technologie. So können potenziell kursrelevante Ereignisse systematisch sowie automatisiert erfasst und anschliessend mit eingehenden Verdachtsmeldungen abgeglichen werden.
Zudem unterstützt der Einsatz von KI bei Insiderverdachtsfällen den Entscheid, ob die erforderliche Kursrelevanz gegeben ist, und erleichtert so die effiziente Triage dieser Fälle. Wird ein Fall vertieft untersucht, kann auffälliges, ereignisorientiertes Handeln einer Person mithilfe des historischen Handelsverhaltens automatisiert bewertet werden (sogenanntes «Insider Scoring»).
Ferner entwickelte die FINMA mittels agiler Methoden neue Werkzeuge zur Beurteilung und Analyse möglicher raffinierter Marktmanipulationen. Die Werkzeuge erlauben es, Orderbuch- und Abschlussdaten gesamtheitlich auf Tagesbasis oder bei Bedarf bis auf die Mikrosekundenebene grafisch darzustellen und gerichtstauglich aufzubereiten. Einen Prototyp dieser Entwicklung präsentierte die FINMA auf Einladung an der jährlich stattfindenden «Technology Applied to Securities Markets Enforcement Conference» (TASMEC) der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) in Rom.
Insgesamt konnte die Marktaufsicht durch diese technologischen Fortschritte ihre Effektivität und Effizienz weiter steigern.