Internationale Aktivitäten

International verbindliche Standards sind für den exportorientierten Schweizer Finanzplatz von grosser Bedeutung. Die FINMA vertrat im Berichtsjahr im Einvernehmen mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement die Schweizer Interessen in internationalen Gremien und nahm bei Prüfverfahren über die Einhaltung internationaler Standards in der Schweiz eine zentrale Rolle ein.

Die FINMA pflegte auch 2025 Beziehungen zu zahlreichen ausländischen Aufsichtsbehörden und arbeitete eng mit diesen zusammen, insbesondere bei der Aufsicht über international tätige Finanzinstitute.

Positives Resultat des Financial Sector Assessment Program des Internationalen Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) führt mit seinen Mitgliedsländern jährliche Konsultationsgespräche über makroökonomische Entwicklungen und wirtschaftspolitische Massnahmen (sogenannte Art.-IV-Konsultationen). Alle fünf Jahre prüft der IWF zudem vertieft die Stabilität des Finanzsektors und die Einhaltung von internationalen Standards in der Finanzmarktregulierung. Dieses Finanzsektor-Examen (Financial Sector Assessment Program [FSAP]) wurde in der Schweiz zwischen Mai 2024 und September 2025 durchgeführt. Auf Schweizer Seite hatte das EFD die Federführung. Aufgrund ihrer herausragenden Stellung im Schweizer Finanzmarkt war die FINMA bei den meisten geprüften Bereichen des FSAP die zentrale Auskunftsstelle gegenüber dem IWF. Dies schlug sich in mehreren Hundert Seiten FINMA-Antworten auf die IWF-Fragebogen und in über 120 Interviews und Meetings mit der IWF-Delegation nieder.

Das Ergebnis der Prüfung fiel insgesamt positiv aus. Der IWF bestätigte die Widerstandsfähigkeit des Schweizer Finanzsystems und würdigte die Fortschritte seit der letzten Überprüfung. Zugleich empfiehlt er die Erweiterung der gesetzlichen Befugnisse der FINMA, um die Wirksamkeit der Aufsicht weiter zu erhöhen. Der IWF nannte zentrale Punkte wie:

  • die Einführung eines Verantwortlichkeitsregimes
  • eine Bussenkompetenz
  • mehr Transparenz bei abgeschlossenen Enforcementverfahren
  • die Stärkung der direkten Aufsicht, einschliesslich durch eigene Vor-Ort-Kontrollen
  • die Stärkung der Rechtsgrundlage für Säule-2-Kapitalzuschläge für Banken, einschliesslich der Gewährleistung ihrer zeitnahen Durchsetzbarkeit
  • Frühinterventionsmöglichkeiten
  • die Aufhebung der aufschiebenden Wirkung bei Verfügungen der FINMA

Die Empfehlungen decken sich weitgehend mit den Vorschlägen im TBTF-Bericht des Bundesrates, im PUK-Bericht zur Aufarbeitung der CS-Krise sowie im Eckwertepapier des Bundesrates für Gesetzes- und Verordnungsänderungen zur Stärkung des TBTF-Dispositivs. Neben den TBTF-bezogenen Punkten enthält der FSAP-Bericht weitere Empfehlungen aus den geprüften Themenbereichen, die von der FINMA grösstenteils aufgenommen und im Rahmen ihrer laufenden Arbeiten weiterverfolgt werden.

In Bezug auf die Aufsichtstätigkeit stellte der IWF fest, dass die FINMA über ein hohes Mass an Fachkompetenz und Erfahrung verfügt. Gleichzeitig empfahl er, die Ressourcen der Aufsicht umfassend auszubauen und die datengestützte Aufsicht systematisch zu verstärken.

Die FINMA begrüsst den Bericht und sieht ihre strategische Ausrichtung bestätigt. Sie wird die Arbeiten hinsichtlich der Handlungsempfehlungen in enger Abstimmung mit den relevanten Behörden weiterführen und damit zur nachhaltigen Stärkung der Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes beitragen.

Internationale Beziehungen

Auch 2025 war die FINMA in regelmässigem Austausch mit ausländischen Aufsichtsbehörden. Die gezielte Vernetzung mittels der Pflege, der Vertiefung und des weiteren Ausbaus internationaler Aufsichtsbeziehungen stand dabei im Mittelpunkt. Kontakte auf Stufe Verwaltungsrat und Geschäftsleitung, aber auch der Austausch auf fachlicher und technischer Ebene ermöglichten einen fruchtbaren Dialog. Der persönliche Austausch ist ein zentrales Element für eine wirksame und reibungslose Kooperation, insbesondere im Hinblick auf grenzüberschreitende Aufsichtsthemen sowie die Zusammenarbeit in Krisensituationen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag im Berichtsjahr auf der Fortschreibung und Aktualisierung bestehender Kooperationsvereinbarungen. Dabei wurden mit einzelnen Partnerbehörden die Kontakte vertieft und die Zusammenarbeit weiter intensiviert. Diese Massnahmen tragen wesentlich zur Stabilität und Effizienz der internationalen Aufsichtstätigkeit bei.

Darüber hinaus unterstützte die FINMA das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) erneut mit ihrer fachlichen Expertise. Sie nahm auch 2025 an mehreren Finanzdialogen des SIF mit Drittstaaten teil und brachte dabei ihre Fachkenntnisse aktiv in die Diskussionen zu aktuellen Entwicklungen ein.

Finanzstabilitätsrat

Die FINMA engagierte sich 2025 im Rahmen des Finanzstabilitätsrats (Financial Stability Board [FSB]) für die Themen systemweite Liquiditätsrisiken, Non-Bank Financial Intermediation (NBFI), Kryptoassets und operationelle Resilienz.

Der FSB ist für die globale Überwachung der Finanzstabilität zuständig. Er koordiniert als Verbindungsglied zwischen der Gruppe der Zwanzig (G20) und den internationalen Standardsetzungsgremien die Weiterentwicklung der Finanzmarktregulierung. Die FINMA ist Mitglied im Standing Committee on Supervisory and Regulatory Cooperation sowie in der Resolution Steering Group. Die SNB und das SIF vertreten die Schweiz in der FSB-Plenarversammlung.

Basler Ausschuss für Bankenaufsicht

Die FINMA vertritt gemeinsam mit der SNB die Schweiz im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision [BCBS]). Die FINMA setzte sich in zahlreichen BCBS-Gremien aktiv für die Stärkung der Sicherheit und Verlässlichkeit des internationalen Bankensystems ein.

Im Fokus der Arbeiten stand die Verbesserung der Aufsichtsinstrumente zu Liquiditätsrisiken, Zinsrisiken und Geschäftsmodellanalysen sowie bezüglich Anwendungen von künstlicher Intelligenz. Weitere Arbeiten betrafen die Weiterentwicklung der Ansätze für das Stress-Testing sowie die Analyse der zunehmenden synthetischen Transfers der Kreditrisiken von Banken zum Nicht-Banken-Sektor (NBFI).

Internationale Vereinigung der Versicherungsaufsichtsbehörden

Die FINMA unterstützt die Arbeiten der Internationalen Vereinigung der Versicherungsaufsichtsbehörden (International Association of Insurance Supervisors [IAIS]) als langjähriges Mitglied des IAIS-Exekutivrats und in zahlreichen Untergruppen. Im Berichtsjahr standen die Implementierung des Insurance Capital Standard (ICS) sowie dessen anstehende Überprüfung im Vordergrund. Die FINMA erachtet den Schweizer Solvenztest (SST) als risikogerechter als den ICS und wird deshalb weiterhin den SST für die Erfüllung der ICS-Kriterien anwenden.

Zu den weiteren Arbeiten der IAIS gehörten die Weiterentwicklung von Vorgaben für Auflösungspläne von Versicherern und die Aktualisierung des Holistic Framework (Rahmenwerk zur Bewertung und Minderung von systemischen Risiken), das 2025 erneut vom FSB gutgeheissen wurde. Ergänzend arbeitete die IAIS an aufkommenden Themen wie der Aufsicht über KI in der Versicherungsbranche sowie strukturellen Veränderungen in der Lebensversicherung.

Internationale Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden

Die FINMA engagierte sich im Leitungsgremium und in zahlreichen Komitees der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (International Organization of Securities Commissions [IOSCO]). Die Organisation verfolgt das Ziel, den Schutz der Anlegerinnen und Anleger zu stärken, effiziente und transparente Märkte sicherzustellen und systemische Risiken zu begrenzen. Von besonderer Bedeutung für die FINMA war im Berichtsjahr der Einsatz innovativer digitaler Instrumente in der Marktaufsicht (Supervisory Technology [SupTech]). Die FINMA übernahm hier mit ihrer Expertise die Chair Position des neu geschaffenen Forums für Supervisory Technology und trieb den internationalen Austausch zu innovativen Aufsichtsansätzen voran. Zudem beteiligte sie sich an zwei Berichten zu Krypto- und digitalen Vermögenswerten bzw. zur Nachhaltigkeit im Asset Management. Damit leistete die FINMA einen wichtigen Beitrag zur Festigung globaler Standards und zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit.

Umsetzung des Berne Financial Services Agreement

Nach der Unterzeichnung des Berne Financial Services Agreement (BFSA) im Dezember 2023 trieb die FINMA die Arbeiten zur Umsetzung des Abkommens mit Blick auf das Inkrafttreten per 1. Januar 2026 intensiv voran. Im September 2025 unterzeichneten die FINMA, die Financial Conduct Authority (FCA) und die Prudential Regulation Authority (PRA) die dafür notwendige Kooperationsvereinbarung. Diese konkretisiert die erweiterte Aufsichtszusammenarbeit in den Bereichen Versicherungen und Investment Services zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich und definiert insbesondere die Prozesse zur Umsetzung des Abkommens.

Die praktische Umsetzung des Abkommens schlossen die FINMA, die FCA und die PRA Ende 2025 mit der Finalisierung der neuen Kooperations- und Meldemechanismen auf operationeller und technischer Ebene ab. Dabei legten sie besonderen Wert auf einfache und effiziente Prozesse, um den Verwaltungsaufwand und manuelle Tätigkeiten möglichst zu minimieren. Zur Unterstützung der Institute veröffentlichten die FINMA, die FCA und die PRA im November 2025 jeweils eine Wegleitung, die die Anwendung des BFSA und die neuen Prozesse erläutert.

Länderprüfung Schweiz der Financial Action Task Force

Im Jahr 2026 startet die nächste Länderprüfung der Schweiz durch die Financial Action Task Force (FATF). Das internationale Prüfteam wird die Umsetzung und die Wirksamkeit von Massnahmen zur Bekämpfung der Geldwäscherei, der Terrorismusfinanzierung sowie der Proliferation von Massenvernichtungswaffen analysieren und beurteilen. Die Prüfungsergebnisse werden im Frühjahr 2028 erwartet.

Die FINMA ist in verschiedenen Bereichen selbst Gegenstand der Prüfung. Aufgrund des internationalen Gewichts der Prüfungsresultate hat die FINMA ein Projektteam für die Länderprüfung aufgebaut. Dieses nahm im September 2025 seine Arbeit auf.

FINMA erzielt Einigung mit der SEC bezüglich Schweizer RIA

Nach langjährigen Gesprächen zwischen der FINMA und der SEC (Securities and Exchange Commission) konnten die Modalitäten bei Prüfungen der SEC von FINMA-beaufsichtigten RIA (Registered Investment Adviser) hinsichtlich Direktübermittlungen und Vor-Ort-Kontrollen in Einklang mit dem Schweizer Rechtsrahmen und der US-Gesetzgebung geklärt werden. Die SEC hob das 2018 verhängte Registrierungsmoratorium auf und nahm die Bearbeitung von neuen und hängigen Gesuchen von Schweizer Instituten wieder auf.

Der erfolgreiche Abschluss dieser Gespräche erleichtert den grenzüberschreitenden Marktzugang für FINMA-bewilligte Schweizer Institute in die USA und leistet einen Beitrag zur vertrauensvollen Aufsichtskooperation mit der SEC als bedeutsamer US-Partneraufsichtsbehörde.