Stabiler Finanzmarkt dank risikobasierter Aufsicht
Die finanziellen und nicht finanziellen Risiken im Finanzmarkt sind 2025 gestiegen. In diesem Umfeld hat sich die FINMA gemäss ihrem Auftrag für die Stabilität des Schweizer Finanzplatzes und den Schutz der Finanzmarktkundinnen und -kunden eingesetzt. Im Bereich der Krankenzusatzversicherungen konnte die FINMA unter anderem bewirken, dass die Versicherungsprämien für stationäre Spitalaufenthalte in der halbprivaten und der privaten Abteilung weiter sanken. Mit dem gleichen Ziel befürwortete sie auch die Eckwerte für Gesetzes- und Verordnungsänderungen zur Stärkung des Too-big-to-fail-Dispositivs, die der Bundesrat im Juni dieses Jahres präsentierte, denn diese werden es der FINMA ermöglichen, ihre Aufsicht noch effektiver umzusetzen.
Der vorliegende Jahresbericht beschreibt die Schwerpunkte, die die FINMA im Jahr 2025 umgesetzt hat: die fortgesetzte Anwendung einer proportionalen und risikobasierten Aufsicht, die Stärkung der Resilienz der beaufsichtigten Institute, die Früherkennung von steigenden Risiken bei den Beaufsichtigten sowie griffige Massnahmen zum Schutz von Kundinnen und Kunden. Der Jahresbericht zeigt auf, mit welchen Tätigkeiten und Massnahmen die FINMA ihre Aufsichts- und Rechtsdurchsetzungsarbeit ausgeführt hat.
Rückblickend kann festgehalten werden, dass der Schweizer Finanzmarkt 2025 trotz der kurzfristigen Effekte des US-Zollschocks von grossen Verwerfungen verschont blieb, obwohl die wirtschaftlichen Unsicherheiten insgesamt zunahmen und sich sowohl geopolitische als auch handelspolitische Risiken verschärften. Trotz dieser Herausforderungen erwies sich die Lage der durch die FINMA beaufsichtigten Institute als insgesamt stabil.
Proportionale, risikobasierte Aufsicht: die grossen Ressourcen für die grossen Risiken
Grössere und komplexere Institute unterliegen strengeren Anforderungen und einer engeren Überwachung. Auch 2025 beaufsichtigte die FINMA diejenigen Finanzmarktteilnehmer am intensivsten, bei denen sie die grössten Risiken für die Stabilität des Finanzmarktes oder für den Schutz der Kundinnen und Kunden identifizierte. So richtete sich ein Aufsichtsfokus auf die Integration der Credit Suisse in die UBS. Insgesamt nahm die FINMA 113 Vor-Ort-Kontrollen vor allem bei grossen Banken vor und konzentrierte sich dabei auf die Bereiche mit den grössten Risiken, namentlich Geldwäschereibekämpfung, Hypothekarkreditgeschäft und Cyberrisiken. Bei Versicherungen wurden 43 Vor-Ort-Kontrollen durchgeführt, mehrheitlich bei den grossen Versicherungen.
Kleine, gut geführte und stabile Institute – beispielsweise die 56 Institute, die am Kleinbankenregime teilnehmen – profitierten dagegen erneut von regulatorischen Entlastungen und im Vergleich zu grossen Instituten weniger direkten Kontrollen. Kleinere Banken, die nicht am Kleinbankenregime teilnehmen, beaufsichtigt die FINMA proportional entsprechend ihrer Grösse und ihren Risiken.
Die grössten Risiken für den Finanzplatz Schweiz liegen nach wie vor im Bereich Immobilien und Hypotheken, namentlich das Kreditausfallrisiko und das Immobilienbewertungsrisiko. 2025 veröffentlichte die FINMA hierzu eine Aufsichtsmitteilung. Diese fasst die Ergebnisse der durchgeführten Aufsichtsaktivitäten zusammen und erläutert die Erwartungen der FINMA bei der Hypothekarkredit-vergabe.
Wirkungsvolle Aufsicht zur Stärkung der operationellen Resilienz
Zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Finanzplatzes setzte die FINMA einen Fokus bei den Finanzmarktinfrastrukturen, wo sie beispielsweise vor Ort die Fortführung oder Wiederherstellung kritischer Funktionen auch bei schwerwiegenden, aber plausiblen Störungen innerhalb definierter Unterbrechungstoleranzen kontrollierte.
Zudem führte die FINMA ihre jährliche Beurteilung der Stabilisierungs- und Notfallpläne der systemrelevanten Banken im Rahmen der Too-big-to-fail-Gesetzgebung fort. Der Stabilisierungsplan der UBS entsprach zum ersten Mal seit der Übernahme der CS den neuen Beurteilungskriterien der FINMA und konnte formell genehmigt werden. Von den inländisch systemrelevanten Banken bewertete die FINMA indes den Notfallplan der PostFinance als nicht umsetzbar.
Aufgrund der Erfahrungen der vertieften Aufsicht forderte die FINMA von den Beaufsichtigten robuste Systeme sowie belastbare Krisenszenarien in den Bereichen Informationstechnologie, Cyberabwehr und Business Continuity Management. Erstmals führte sie 2025 bei Schweizer Investmentfonds eigene Stresstests zur Evaluierung der Resilienz durch. Bei Fondsleitungen und Verwaltern von Kollektivvermögen stellte die FINMA einerseits ein verstärktes Bewusstsein der Institute für Aspekte der opera-tionellen Resilienz und anderseits wiederkehrende Schwachstellen im Bereich Outsourcing und Business Continuity Management fest. Sie erhöhte deshalb im Bereich Cybersicherheit den Detaillierungsgrad der Überprüfungen von organisatorischen Vorkehrungen in den Bewilligungs- und Aufsichtsprozessen.
Früherkennung von steigenden Risiken
Um Risiken bei Beaufsichtigten früher zu erkennen und das Marktverhalten besser zu verstehen, trieb die FINMA im Berichtsjahr auch die datengetriebene, vorausschauende Aufsicht weiter voran. So führte sie beispielsweise eine erste branchenweite Datenerhebung im Bereich Asset Management durch und entwickelte neue Werkzeuge zur Beurteilung und Analyse möglicher Marktmanipulationen.
Weiter nahm die FINMA zur Früherkennung von Risiken vermehrte Deep Dives bei Beaufsichtigten vor, mit direkten Kontakten zum Verwaltungsrat, zur Geschäftsleitung, zur Compliance- und Risikoorganisation sowie zur internen Revision.
Ein Aufsichtsfokus der Geldwäschereibekämpfung galt dem Retailbanking. Dort adressierte die FINMA im Rahmen von Vor-Ort-Kontrollen verschiedene Schwachstellen im Transaktionsmonitoring und definierte Massnahmen zu deren Behebung. Weiter stellte die FINMA fest, dass in Einzelfällen von Instituten Kundenbeziehungen eingegangen wurden, die die Risikotoleranz überstiegen und deren Risiken oder deren wirtschaftlicher Hintergrund nicht ausreichend verstanden wurde. Im Allgemeinen konnte die FINMA feststellen, dass im Bankenbereich bei der Erstellung und Durchführung der Geldwäschereirisikoanalyse Fortschritte erzielt wurden. Gleichwohl stellte sie nach wie vor verschiedene Defizite fest, die behoben werden mussten.
Um diese verstärkte und vertiefte Aufsichtstätigkeit wahrnehmen zu können, stellte sich die FINMA im Rahmen einer Reorganisation im Frühjahr 2025 neu auf. Sie schuf unter anderem den Geschäftsbereich Integrierte Risikoexpertise als Querschnittsfunktion. Der neue Geschäftsbereich unterstützt die Aufsichtsbereiche mit integrierten Risiko- und Datenanalysen sowie in der FINMA-weiten Planung und Durchführung der Vor-Ort-Kontrollen. Die neue Struktur stärkt die vorbeugende, direkte Aufsicht und trägt dank verbesserter interner Zusammenarbeit auch dazu bei, dass die FINMA als Behörde effizienter wird. Die Beaufsichtigten behalten dabei ihre gewohnten Ansprechpartnerinnen und -partner in der FINMA.
Verstärkte Massnahmen zum Kundenschutz
Um Kundinnen und Kunden zu schützen, unterzog die FINMA im Bereich Asset Management eine steigende Zahl von Instituten wegen verschiedener Mängel einer intensiven Aufsicht, wobei die Einhaltung von Verhaltensregeln im Bereich Suitability einen Schwerpunkt bildete. Bei kleineren Instituten zeigte sich auch im Bankenbereich, dass die Offenlegung von Interessenkonflikten beim Einsatz von eigenen Finanzinstrumenten trotz gesetzlicher Transparenzvorgaben noch immer ungenügend war.
Bei Krankenzusatzversicherungen konnte die FINMA bewirken, dass es nur zu massvollen Prämienanpassungen und in mehreren Fällen zu Prämiensenkungen kam. Weitere Kontrollen bei den Krankenzusatzversicherern ergaben, dass sich die Abrechnungspraxis mit den Leistungserbringern schweizweit insgesamt verbessert hat, wobei in einzelnen Regionen weiterhin Missstände bestehen.
Was die Zukunft bringt
Die Risikolandschaft, die für den Schweizer Finanzmarkt relevant ist, akzentuierte sich 2025 deutlich. Die FINMA identifizierte im Risikomonitor 2025 neun Hauptrisiken für den Finanzmarkt. Vor allem die Risiken in den Bereichen Cyber- und Informationstechnologie nahmen weiter zu.
Um die sich verschärfenden Risiken möglichst zu mitigieren, verlangt die FINMA eine Stärkung der Beaufsichtigten durch verbesserte Vorkehrungen wie Kapitalunterlegungen, Liquiditätspuffer und ein angemessenes Risikomanagement. Der PUK-Bericht vom Dezember 2024 zur Aufarbeitung der CS-Krise und die im Juni 2025 präsentierten Eckwerte des Bundesrates für Gesetzes- und Verordnungsänderungen zur Stärkung des Too-big-to-fail-Dispositivs unterstützen diese Forderung. Die FINMA hat die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen in einer eigenen Medienmitteilung ausdrücklich begrüsst.
Eine noch wirkungsvollere Aufsicht dient der weiteren Stärkung der Resilienz des Finanzplatzes gegen verschärfte finanzielle und nicht finanzielle Risiken. Die FINMA muss als Behörde über die dafür notwendigen Instrumente verfügen und sich als Organisation weiterentwickeln. Sie wird in diesem Zusammenhang beispielsweise vermehrt eigene Vor-Ort-Kontrollen durchführen und sich weniger auf externe Prüfgesellschaften stützen.
Mit dem Ausbau der Aufsicht erwartet die FINMA unter dem Strich auch ein damit einhergehendes Kostenwachstum. Die vorgesehenen neuen Ressourcen sind konsistent mit den strategischen Zielen 2025 bis 2028 der FINMA. Auch im Vergleich mit anderen Behörden wird die FINMA verhältnismässig schlank aufgestellt bleiben.