Resilienz
Die FINMA identifizierte auch im Berichtsjahr systemische und operationelle Risiken für den Finanzplatz und die beaufsichtigten Institute durch Kontrollen, Prüfungen, Stresstests und Datenerhebungen. Sie setzte die Anforderungen an die Finanzmarktteilnehmer bezüglich Kapital und Liquidität durch, formulierte klare Vorgaben an das Risikomanagement und prüfte Stabilisierungs- und Notfallpläne.
Wie die FINMA darauf hinwirkt, dass die beaufsichtigten Institute widerstandsfähiger werden
Die Ergebnisse der Aufsichtsaktivitäten im Bereich Hypotheken zeigten im Berichtsjahr bei diversen Banken auf, dass die prinzipienbasierte Regulierung bei der Hypothekarkreditvergabe übermässig ausgenutzt wird. Dies betrifft insbesondere die Tragbarkeitsbeurteilung sowie die Bewertungspraxis und weist auf einen möglichen regulatorischen Verbesserungsbedarf hin. Die FINMA wies die betroffenen Beaufsichtigten an, ihr Risikomanagement zu stärken. Bei einigen der kontrollierten Institute ordnete sie zudem Eigenmittelzuschläge an, nachdem unzureichende Immobilienbewertungen, hohe Wachstumsraten und laxe Vergabekriterien festgestellt worden waren. Die Anforderungen, die die FINMA an Hypothekarkreditgeschäfte stellt, erläuterte sie in der Aufsichtsmitteilung 02/2025 zu Risiken am Immobilien- und Hypothekarmarkt.
Die FINMA hat im Berichtsjahr ebenfalls eine Aufsichtsmitteilung zum Thema "Operationelle Resilienz bei Banken, Personen nach Art.1b BankG, Wertpapierhäusern und Finanzmarktinfrastrukturen" veröffentlicht. Diese beruht auf Erkenntnissen einer Datenerhebung, die die FINMA per 31. Dezember 2024 bei 267 Banken, Wertpapierhäusern, Finanzgruppen und Finanzmarktinfrastrukturen zum Thema Sicherstellung der operationellen Resilienz durchgeführt hat. Die Erkenntnisse aus der Datenerhebung sowie den regulären Aufsichtsgesprächen zeigen derzeit noch ein sehr heterogenes Bild bei der Auslegung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen, dem Umsetzungsstand und dem Reifegrad der operationellen Resilienz bei den beaufsichtigten Instituten.
Die FINMA fordert von den Beaufsichtigten auch belastbare Krisenszenarien in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Cyberabwehr und führte 2025 diesbezüglich erstmals eigene Stresstests bei Schweizer Investmentfonds durch. Sie trat mit Vor-Ort-Kontrollen aber auch bei Outsourcing-Partnern auf. Betreffend operationeller Cyber- und Outsourcing-Risiken hatte die FINMA bereits per Ende 2024 ein umfassendes Inventar aller wesentlichen Auslagerungen von Beaufsichtigten erhoben. Im Berichtsjahr stellte sich zudem heraus, dass die ausgelagerten Funktionen namentlich bei einigen Fondsleitungen und Verwaltern von Kollektivvermögen unzureichend verwaltet wurden.
Zu den klimabezogenen Finanzrisiken konnte die FINMA im Berichtsjahr mittels Datenerhebung bei Banken und Versicherern ein Klimarisikoprofil jedes Instituts erstellen. Bei den grössten Instituten wurde diese auf Selbstdeklaration beruhende Erhebung durch Aufsichtsgespräche zur Thematik ergänzt, bei Banken mit erhöhtem Klimarisikoprofil kamen eintägige Vor-Ort-Kontrollen hinzu, u.a. um die von der Bank verwendeten Klimastresstestmodelle zu prüfen. Bei der UBS im Speziellen führte die FINMA gemeinsam mit der Schweizerischen Nationalbank eine Klima-Szenarioanalyse durch, die das grösste Verlustpotenzial im Unternehmenskreditportfolio identifizierte.
Die FINMA führte im Berichtsjahr auch grössen- und risikoabhängige Kapitalplanungsdialoge durch, um zu prüfen, ob Banken in der Kapitalplanung gemäss den Erwartungen auch Phasen eines wirtschaftlichen Abschwungs und eines markanten Rückgangs der Ertragslage ausreichend berücksichtigen. Systemrelevante Institute mussten anhand von vorgegebenen Stressszenarien aufzeigen, wie sie negative Entwicklungen der Kapitalausstattung unter belastenden Bedingungen mitigieren. Im Bereich der Liquidität kontrollierte die FINMA, ob die systemrelevanten Banken die neuen Liquiditätsanforderungen einhalten können.
Schliesslich beurteilte die FINMA im Berichtsjahr die Stabilisierungs- und Notfallpläne der systemrelevanten Banken, erstere nach rigoroseren Standards als noch vor der CS-Krise. Während der Stabilisierungsplan der UBS zum ersten Mal seit der Übernahme der CS formell genehmigt werden konnte, wurde am UBS-Notfallplan noch Verbesserungsbedarf festgestellt. Als noch nicht umsetzbar musste die FINMA auch den Notfallplan der PostFinance zurückweisen. Versicherungsgruppen mussten 2025 ihre Stabilisierungspläne erstmals obligatorisch abgeben, ihre Beurteilung folgt im nächsten Jahr.
Auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann, dass die beaufsichtigten Institute vor Problemen gefeit sind, stärkte die FINMA mit ihren Aufsichts- und Durchsetzungstätigkeiten auch im Berichtsjahr deren Widerstandskraft und Stabilität.